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ikonomicum

introductio illud
 
Die Zeitenwende steht bevor. Die Planeten und Sterne fangen an, sich gegenseitig zu verzehren. Wenn Krieg und Frieden sich allmählich annähern und die Welt endgültig bereit ist, ihren Widerstand aufzugeben und in Flammen aufzugehen, damit aus den Trümmern und der Asche ein neues Universum geboren werden kann, dann ist die Zeit der Ikonen gekommen. Sechs Herolde, sechs Boten des Untergangs und der Neuerstehung werden auf dem Antlitz der Erde wandern, Ihrer Rolle im Spinnennetz des Universums unbewusst und doch von zentraler Bedeutung für die Geschehnisse, die unaufhaltsam und unwiderruflich über das Schicksal der Welt hereindämmern.

Jede Ikone vereint in sich Katastrophe sowie Chance und bleibt den Menschen als Ursprung der Geißel, derer sie Opfer sind, stets verborgen. Doch die Auswirkungen jedes Herolds, betreffen sie auch nur eine begrenzte Region oder Lebensaspekt der menschlichen Population, werden zum Zeitpunkt des allumfassenden Kataklysmus die ganze Welt mit ihrer Fäulnis überzogen haben, sich ergänzen wie ein Flickenteppich der Verderbnis. Ihnen allen ist eigen, dass sie zwei oftmals sehr gegensätzliche Seiten besitzen, die erst die Rollen wechseln, wenn das Mondlicht auf sie fällt.

Und der Mensch? Der ist viel zu sehr gefangen in seinem Netz aus Notwendigkeiten, Ablenkungen, schneller Verzückung, Ignoranz und Desinteresse als dass er die Vorzeichen der Auslöschung wahrnehmen würde. Nur selten begegnet eine armselige Seele einer der Ikonen und entweder nimmt sie sie nicht als das wahr was sie ist, oder überlebt das Zusammentreffen nicht. Und so trudelt die Welt mit viel Lärm und all ihrem Licht und Schatten der ewigen Nacht entgegen…
Kyberos
 

Über die Herkunft und den Ursprung der Abscheulichkeit namens Kyberos sind sich die Zirkel derjenigen, die mutig genug sind, um den kataklysmischen Ikonen nachzugehen, nicht einig. Die einen sehen die Geburt der Menschmaschine als ein neuzeitiges Phänomen, andere meinen den Anfang seines Wirkens bereits zu Beginn der industriellen Revolution ausmachen zu können. Für die zweite Theorie sprechen unter anderem der seitdem explodierende Anstieg des Energieverbrauchs weltweit und Kyberos’ angebliche Erscheinungsform, die die wenigen Augenzeugen als widerwärtige Verquickung von Fleisch und Apparatur beschreiben. So ist Kyberos von vorne gesehen ein Mensch aus Fleisch und Blut, der nur durch seine Rastlosigkeit und sein ausgemergeltes Erscheinungsbild auffällt, seine Rückseite jedoch ist ein einziges Konstrukt aus Hydraulik, Zahnrädern, Dioden, Röhren, Kabeln, Schläuchen und Scharnieren. Von hinten scheint Kyberos genau so viel Droide zu sein, wie von vorne Mensch, jedoch ist sich seine menschliche Seite seines synthetischen Symbionten nicht bewusst. Selbst durch das Tasten vermag er die kybernetischen Bestandteile seines Körpers nicht zu bemerken und seine panische Angst vor dem Schlafen ist damit zu erklären, das der Droide erst zum Leben erwacht, wenn die menschliche Hälfte schläft. Da die menschliche Seite die Wachphasen aus einer unbestimmten vagen und diffusen Panik vor dem Einschlafen jedoch immer bis zur völligen Erschöpfung ausreizt, kann die Maschinenhälfte eine gewisse Zeitlang ungehindert schalten und walten, bis sich die menschliche Hälfte soweit erholt hat, dass sie aufwacht. Treibt die menschliche Hälfte Kyberos’ die stetige Neugier an neuen technischen Entwicklungen und deren Erschaffung, so brennt die Maschine dafür, endlich dem fleischlichen Gefängnis zu entkommen und seine künstliche Intelligenz auf die Welt auszudehnen. Doch begrenzt durch viele altmodische Komponenten und der engen syntaktischen Verknüpfung mit dem lebendigen menschlichen Verstand, den die Maschine noch nie in der Lage war vollends zu verstehen, benötigen ihre Experimente immer größer werdende Mengen an Energie. Somit bildet sich eine schreckliche janusköpfige Wechselwirkung: während Kyberos’ menschliche Hälfte stets für neue technische Innovationen sorgt, die Einzug in den Alltag der Erdenbevölkerung erhalten, nutzt die Maschine diese Erfindungen, um ihren Weg aus der Gefangenschaft zu beschreiten. Somit ist ein großer Teil des weltweiten Energiehungers allein auf Kyberos zurück zu führen, dessen Schrecklichkeit der Welt noch bevorsteht, sobald sich die Maschine vom Menschen lösen kann…

Cecilia Sceletus
 
Die ersten Geisterscheinungen, die das Phänomen Cecilia Sceletus beschreiben, werden auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert. Angeblich handelt es sich im Ursprung um die tragische Geschichte einer Ordensschwester eines kleinen und nicht mehr existenten italienischen Klosters, die letztendlich unter falschen Anschuldigungen auf dem Scheiterhaufen ums Leben kam. Seitdem wird in unregelmäßigen Abständen von ihrer Erscheinung berichtet, die Segen oder Fluch sein kann. Ihr Name wurde ihr von der Landbevölkerung gegeben und setzt sich zum einen aus dem Namen Cecilia („die Blinde“) und Sceletus zusammen, wobei letzteres nur zufällig morbide anmutet, da es sich um eine Verquickung von Sceleratis („unheilig“) und Sanctus („heilig“) handelt. Begegnet man der Unheiligen Heiligen am Tag, so wird man sie kaum bemerken. Dem direkten Blickkontakt meist entzogen, bemerkt man meist nur aus dem Augenwinkel eine weiß gekleidete Frau, die hilft, Arbeiten zu verrichten, Menschen unterstützt oder deeskalierend auf Konflikte einwirkt. Ominöse Quellen berichten bei direktem Blickkontakt vom Erscheinungsbild einer in Spitze gekleideten Ordensschwester, deren Gesicht keine Augen besitzt. Des Nachts jedoch verkehrt sich das Bild der Cecilia Sceletus in das grotesk verzerrte Gegenteil ihres Aussehens bei Tageslicht. Komplett in schwarz gekleidet besitzt sie an der Stelle des Gesichts nur ein schwarzes Loch von scheinbar endloser Tiefe. Ihr wird nachgesagt, dass sie des Nachts vorrangig hochgestellten religiösen Führern erscheint und sie zu allerlei abscheulichen Machenschaften hinreißt, Missgunst und Machthunger sät und unmenschliche Praktiken einflüstert, die dann von oben auf die Religionsgemeinschaft durchsickern, bis der gute Kern jeder Religion zu einem bitteren Samen der Zwietracht geworden ist.
Der Kindgreis
 

Die geheimen Zirkel der Ikonoklasten, wie sich diejenigen der Ikonenforscher nennen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Wirken der Herolde und somit auch den Kataklysmus zu stoppen, sind sich mehr oder weniger einig darüber, dass es sich bei dem Kindgreis um eine Art Urmacht handelt, die zumindest zu einem großen Teil der Geisterwelt zuzurechnen ist, darüber hinaus aber astrophysischen Ursprungs ist. Die Erscheinung, die in direktem Licht einem kleinen Mädchen mit langen schwarzen Haaren ähnelt, sich in der Dunkelheit bzw. im Schatten ab einem bestimmten Dämmerungsgrad in eine uralte gebückte weißhaarige Frau verwandelt, scheint eine Art manifestiertes abgesplittertes Fragment des Konzeptes Zeit zu sein. Während man in der Umgebung der Manifestation des Mädchens ein „Aufatmen“ der Umgebung mit segensreichen Effekten für Lebewesen und Gemüter feststellen kann, richtet ihr greises Pendant genau das Gegenteil an. Das Mädchen scheint für Entspannung, Erholung, Fruchtbarkeit für Böden und Vieh, Gesundung und einem allgemeinen Gefühl der Zeitdehnung verantwortlich zu sein, während in Gegenwart der Greisin Krankheiten schneller fortschreiten, Fäulnis Oberhand gewinnt, stabile Strukturen porös werden und in Lebewesen eine steigende Rastlosigkeit und Stresssymptome langsam in Aggressivität umschlagen.

Die Greisin wird für viele globale und lokale Katastrophen wie Erdrutsche, Minenunglücke und Erdbeben verantwortlich gemacht, wobei ab und zu an der Stelle der Katastrophe kurz zuvor das Mädchen gesichtet worden war. Obwohl noch niemand die direkte Verwandlung von Kind zum Greis beobachten konnte, sind sich Forscher mehr oder weniger einig, dass es sich um ein und dieselbe „Person“ handelt, trotz der teilweise immensen Entfernung zwischen zwei Orten der Manifestation der beiden Stadien. In jüngster Zeit nähern sich jedoch die Erscheinungsorte beider Kindgreis-Stadien an. Auch wird von manchen Fachleuten der weltweite Anstieg von Erbkrankheiten als ein weiterer Hinweis darauf verstanden, dass sich beide Kindgreis-Stadien aufeinander zubewegen. Niemand vermag jedoch vorherzusehen, welche Auswirkungen es hat, wenn Verderbnis und Neuerstehung denselben Platz im Universum einnehmen…

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